Ernst Leitz I & Ernst Leitz II

Zwei Pioniere der Optik

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Der liberale Demokrat

Ernst Leitz  war ein erfolgreicher Unternehmer, und ein politisch denkender Mensch. Seine politische Heimat wurde der Liberalismus: Er war, wie er 1932 einmal sagte, ein „Anhänger freiheitlicher Ideen von Jugend auf“. Liberales und demokratisches Engagement waren schon lange in der Familie Leitz zu Hause. Wesentliche Impulse zu seiner liberalen und demokratischen Einstellung über sein Elternhaus hinaus gewann Ernst Leitz schon in jungen Jahren durch seine Auslandsreisen bereits vor dem Ersten Weltkrieg nach England, Frankreich und  in die Vereinigten Staaten. Er gehörte in Wetzlar im November 1918 zu den Mitbegründern der Deut­schen Demokratischen Partei, der Nachfolgerin der Fortschrittlichen Volks­partei.

Ernst Leitz II Gemälde

Ernst Leitz II Gemälde

 

Ernst Leitz war überzeugter Demokrat, der die im Sommer 1919 verabschiedete Weimarer Verfassung mit ihren Grundprinzipien, die Errichtung eines demo­kratischen und sozialen Staates zu ermöglichen, uneingeschränkt unterstützte. Die Weimarer Verfassung war für ihn, wie er es einmal ausdrückte, „die freiheitlichste Verfassung der Welt“, die sich das deutsche Volk „nach langem Sehnen“ errungen habe.

Häufig nahm Ernst Leitz den ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert gegen die Verunglimpfungen durch die konservativen und nationalen Rechtsparteien in Schutz. So reagierte er in einer Versammlung am 1. Dezember 1924 auf einen ent­­sprechenden Zuruf mit den Worten: „Ebert ist mir zehnmal lieber als Wilhelm II. Wir sollten stolz darauf  sein, dass in unserer Republik ein Arbeiter an der Spitze steht".

Seine nach außen und innen gerichtete Verständigungspolitik machte er auch bei der Reichspräsidentenwahl 1925 deutlich, bei der er im zweiten Wahlgang mit aller Entschiedenheit für den Kandidaten des „Volksblocks“, den Zentrumspolitiker Marx eintrat. Die Aufstellung Hindenburgs durch die Rechte war für Ernst Leitz in dieser Situation eine „Unmöglichkeit“, die innen- und außenpolitische Risiken in sich barg, zumal "hinter Hindenburg eine Kamarilla genau wie hinter Wilhelm II." stünde. Sollte die Präsidentenwahl so ausgehen wie von der Rechten propagiert, sah er die nicht zuletzt durch ausländisches Kapital bewirkte Stabilisierung der Wirtschaft gefährdet. Ernst Leitz wusste nur zu gut, dass Deutschland seine Probleme nur in einer Zusammenarbeit und nicht in der Konfrontation mit dem Ausland würde lösen können.

Zu seinem parteipolitischen Engagement gehörte auch die Bereitschaft, sich zu mehreren Reichtagswahlen als Kandidat für die Deutsche Demokratische Partei im Wahlkreis Hessen-Nassau aufstellen zu lassen.

Die feste Verankerung von Leitz in der Weimarer Demokratie zeigt auch seine enge Beziehung zum „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Dieser Name klingt für heutige Ohren martialisch. Tatsächlich handel­te es sich bei der 1924 gegründeten Vereinigung jedoch um eine Organisation zum Schutz der jungen und gefährdeten Republik. Ziel war es, die neue Staatsform gegen radikale Gruppierungen wie die Kommunisten und die Natio­nal­sozialisten zu verteidigen. Zu den zeitweise bis zu einer Million Mitgliedern ge­hörten vor allem Sozialdemokraten wie Kurt Schumacher und Mitglieder der Deutschen Demo­kra­tischen Partei wie Theodor Heuss. Ernst Leitz zählte zum Vorstand der im Juli 1924 gegründeten Wetzlarer Ortsgruppe des Reichsbanners. Es war ein bemerkenswertes Ereig­nis, als Ernst Leitz, er allein in Zivil, bei einem Marsch der Uniformierten anlässlich der Verfassungsfeier durch die Stadt Wetzlar zog.

Sehr früh hat Ernst Leitz die Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten geführt, die in ihm bald einen „Intimfeind“ sahen, den sie mit üblen Verdächtigungen überzogen. Zu einer heftigen Auseinandersetzung kam es in einer Wahlkampfveranstaltung der Staatspartei. Als der Redner der National­sozialisten die „Unterdrückung der nationalsozialistischen Bewegung durch die ‘Severing’sche Polizei’“ beklagte, trat Ernst Leitz dieser Märtyrer-Attitüde entschieden entgegen und nahm die preußische Polizei in Schutz. Vor allem aber wies er auf die lang anhaltende „Duldsamkeit gegenüber den uniformierten Nationalsozialisten“ hin. Als er dann eine Charakterisierung der uniformierten Nazis gab, wie der Wetzlarer Anzeiger verklausuliert berichtete, rief das unter den zahlreich anwesenden Parteigenossen stürmische Proteste hervor. Es war die Versammlung, in der Ernst Leitz die SA als „braune Affen“ bezeichnete.